
Wie die Fachpublikation autoservicepraxis.de meldet, bündelt das neue Format die Themen Software-Defined Vehicles, Künstliche Intelligenz und Cybersicherheit. Der Befund ist eindeutig: Der Wettbewerbsfaktor im Aftersales verschiebt sich messbar von der Hardware in die Code-Ebene. Für Werkstatt und Service bedeutet das künftig eine doppelte Wartungslogik – mechanisch und softwaregestützt.
Vier Themenfelder, eine Stoßrichtung
Das Programm gliedert sich in vier diagnostisch relevante Bereiche. Fahrzeugarchitektur: Software-Defined Vehicles (SDV) definieren Fahrzeugfunktionen primär über Software und zentrale Rechenleistung. Konsequenz: Klassische mechanische Fehlersuche verliert an Reichweite, softwaregestützte Diagnose gewinnt. Assistenz und Autonomie: Fahrerassistenzsysteme und autonomes Fahren stehen auf der Agenda, Benteler Mobility liefert Einblicke in Robotik. Cybersicherheit und Datenmanagement: Der Digitalverband Bitkom diskutiert mit Industrievertretern die Risiken softwaredefinierter Fahrzeuge. Regulatorik: Der EU Data Act greift am ersten Messetag in Keynote und Podiumsdiskussion. Die offene Frage: Wer erhält künftig Zugriff auf welche Fahrzeugdaten?
Zwei Veröffentlichungen liefern Faktenmaterial. "AI in Motion – Reinventing Automotive Aftersales" entsteht mit dem IBM Institute for Business Value zum Einsatz von KI im Aftermarket. Google Cloud und die Boston Consulting Group zeigen Wertschöpfungspotenziale durch KI auf. Die Technische Universität Braunschweig liefert eine Live-Demonstration für den Praxisabgleich.
Drei Spezifikationen, die sich ändern
- Wartungszugang: Over-the-Air-Updates verlagern Softwareaktualisierungen aus der Werkstatt in die Cloud. Bestimmte Fahrzeugfunktionen lassen sich drahtlos aktualisieren. Die Werkstattbindung verändert sich messbar.
- Diagnosewerkzeuge: Vernetzte Systeme erfordern Schnittstellen zu Hersteller-Backends. Ohne diese Schnittstelle sinkt die Diagnosetiefe bei modernen Fahrzeugen.
- Datenhoheit: Der EU Data Act definiert neu, welche Datenströme Werkstätten künftig nutzen dürfen. Solange die Auslegung unklar ist, bleibt der Datenpfad ein offener Parameter.
Olaf Mußhoff, Director Automechanika Frankfurt, ordnet die Initiative ein: Das Format schaffe Raum, um technologische Entwicklungen frühzeitig einzuordnen und Erfahrungen zwischen Herstellern, Zulieferern und Servicebetrieben auszutauschen.
Diagnose
Die Verschiebung ist messbar. Lösbar ist sie nur unter einer Bedingung: Werkstätten müssen zwei Wartungswelten parallel bedienen – physische Komponente und Software-Ebene. Wer beide Kanäle besetzt, behält den Marktzugang. Wer nur einen bedient, verliert schrittweise den Zugriff auf kommende Fahrzeuggenerationen.