
183.211 Fahrzeuge. Das ist die Zahl, die BYD diese Woche bei den chinesischen Aufsichtsbehörden als Rückrufmenge eingereicht hat – wie die Branchenplattform Gasgoo berichtet. Tang, Tang DM, Tang EV und Qin stehen auf der Liste, Produktionszeiträume zwischen Juni 2014 und Januar 2022. Acht Jahre, in denen offenbar immer derselbe Anschlagpuffer am Bremspedal verbaut wurde. Ein Bauteil, das nach Herstellerangaben im Alter bricht.
Was genau versagt – und warum es kein Kleinkram ist
Der Anschlagpuffer – jenes kleine Polster, das den Bremspedalweg begrenzt – wurde laut Rückrufmeldung in einer bestimmten Materialcharge fehlerhaft gefertigt. Im Dauerbetrieb kann das Bauteil reißen oder vollständig abfallen. Im Extremfall bleibt das Bremslicht dauerhaft an, auch wenn der Fuß vom Pedal geht.
Klingt nach reiner Komfort-Einschränkung? Mitnichten. Ein dauerhaft leuchtendes Bremslicht ist kein Schönheitsfehler, sondern eine aktive Falschinformation an den nachfolgenden Verkehr – und im Ernstfall eine zusätzliche Fehlerquelle in einer Sicherheitskette, die ohnehin keinen Spielraum verträgt. BYD spricht offiziell von einem „manufacturing issue" und einem „batch-related abnormality" – Marketing-Sprech, der das Wort „Materialfehler" so elegant umschifft, wie es die Industrie seit Jahrzehnten pflegt.
Werkstattalltag – und was der Rotstift wirklich kostet
Die Lösung selbst ist handwerklich überschaubar: BYD lässt die Anschlagpuffer bei allen betroffenen Fahrzeugen kostenlos durch verbesserte Exemplare ersetzen. Wer in den letzten Monaten bereits eines der überarbeiteten Teile erhalten hat, ist außen vor. So weit die Pressemitteilung.
Was sie verschweigt: Acht Jahre Produktionszeitraum, vier Modellreihen, knapp 185.000 Fahrzeuge – das ist kein einmaliger Ausrutscher, sondern ein strukturelles Problem im Lieferketten- oder Qualitätsmanagement. Ein Bauteil, das unter Belastung versagt, hat seinen Namen nicht verdient. Es ist eine Sollbruchstelle, gewollt oder nicht, mit einkalkulierter Gewinnmarge auf dem Buckel der Endkunden.
Was Halter und Kaufinteressenten jetzt wissen müssen
Die Rückrufaktion läuft unter den Nummern S2026M0116V und S2026M0117V bei der chinesischen Marktaufsichtsbehörde. Für den hiesigen Markt gilt: Wer einen gebrauchten Tang oder Qin mit Baujahr vor 2022 importiert hat oder besitzt, sollte die Fahrgestellnummer beim BYD-Händler prüfen lassen. Während BYD in Europa wächst, ist die Werkstatt-Infrastruktur hierzulande dünn – und ob die verbesserten Puffer in jeder Niederlassung tatsächlich vorrätig sind, bleibt abzuwarten.
183.211 Fahrzeuge, ein Bauteil, das nicht hält, was es versprechen muss. BYD behebt das Problem – lobenswert. Dass es überhaupt so weit kommen musste, ist der eigentliche Skandal. Wer auf China-Qualität zum Sparpreis setzt, sollte wissen, dass der Rotstift irgendwo immer angesetzt wird. Hier eben am Bremspedal.